Eheleite ,germanisch ausgerichtet

Vorwort

 

Die eigentliche „Hochzeit“ ist bei unseren Vorfahren nicht, wie heute üblich, das Eheschließungsritual gewesen. Vielmehr war es die Zeit davor, die Zeit, in der die Versprochenen sich kennen lernten, evtl. schon miteinander lebten und, ja , auch Kinder zeugten.

Liebe spielte damals,zumindest bei den etwas wohlhabenderen,eine untergeordnete Rolle.

Es ging auch um weitaus mehr, als nur zwei Menschen miteinander zu verbinden.

Sippen verschwägerten sich. Bündnisse wurden dadurch geschlossen und das nicht nur bei Stammesfürsten. Der Zusammenschluss zweier Familien durch die Ehe ihrer Kinder war in früheren Zeiten überlebenswichtig. Es ging um Grund und Boden, um Vieh aber auch um Beistand. Dies war wohl der wichtigste Grund.

Die Zeiten waren eher unsicher. Kleinkriege, Überfälle. Plünderungen kamen immer wieder vor. Kämpfe um Territorien und Vieh, um Vormachtstellungen und auch aus Rache.

Hier war es also wichtig, sich Verbündete zu sichern,im Großen wie im Kleinen.

Schlossen sich nun zwei Sippen mittels Hochzeit der Kinder zusammen ,so erhielten beide Bündnispartner ,denn unsere Vorfahren hielten die Sippe hoch. Nur in der Gemeinschaft war das Überleben möglich. Je stärker aber diese Gemeinschaft war um so weniger hatte sie zu befürchten.

Um so eher war das Überleben gesichert.

Dies hatte im kleineren Bereichen kaum, im größeren Bereich viel mit politischer Macht zu tun.

Die Hoch-zeit also war die Zeit, in der die Familien der Verlobten Absprachen trafen.

Es ging um die Brautgaben, die Aussteuer sozusagen,aber auch um die Geschenke, die der Mann seiner Zukünftigen zu übergeben hatte.

Die germanische Ehe war gleichberechtigt. Mehr,viel mehr als bei den Römern.

Die Frau hatte die häusliche Gewalt. Was nicht weiter verwundert,da die Männer eher auf Krieg-Raub-Handelsfahrt waren.

Die Frau sicherte mit ihren Entscheidungen das Überleben der Familie. Sie bestellte das Feld und kümmerte sich um das Vieh, schuf im Hauswerk Kleidung und Geschirr,kümmerte sich um die Kinder und, so vorhanden, um die Unfreien,die zum Haus gehörten.

Dies brachte ihr hohe Ehre ein. Sie hatte Mitspracherecht und wurde in Entscheidungen mit einbezogen. Letztlich hatte sie auch die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen, wenn der Mann sich als „ehe-untauglich“ erwies und das ist nicht nur auf die Fruchtbarkeit gemünzt.

Heute leben wir anders.Sippenehre und Zusammenhalt sind fast ganz verschwunden.

Doch gibt es wieder Menschen, denen das immer wichtiger wird, die wieder Werte schaffen wollen, die jenseits von Kommerz und materiellem Wohlstand liegen.

Deshalb ist die sogenannte „Eheleite“ oder auch „naturreligiöse / heidnische Hochzeit“ etwas, was sich zunehmend größerer Beliebtheit erfreut.

Man gibt sich ein Eheversprechen vor den eigenen Göttern, bindet sich ,ganz bewusst, aneinander, verschwägert wieder seine Sippen miteinander.

Mir ist es wichtig genau diese Hintergründe zu beleuchten, bevor ich ein Paar zusammen gebe.

Die Ehe ,im heidnischen Sinn, ist eben viel mehr als nur ein Steuervorteil. Sie ist das Versprechen, mit ganzer Kraft und ,heute auch mit aller Liebe, dem Anderen zur Seite zu stehen, gemeinsam in eine Richtung zu schauen ,seine und die Interessen des Partners zu verknüpfen. Gleichberechtigt, ebenbürtig, aufrecht.Und dies auch im Angesicht der Ahnen und alten Götter zu beeiden.

 

 

Vorbereitung

 

Der Platz ,auf dem die Zeremonie stattfinden soll wird ausgewählt. Je nach Vorlieben kann das auf dem eigenen Grundstück sein, auf einer Wiese oder Waldlichtung. Ideal immer unter freiem Himmel, da unsere Ahnen ihre Götter in Hainen und in der Natur verehrten. Kirchen oder Gebetshäuser gab es nicht. Die Götter waren überall zu finden und jeder konnte mit ihnen kommunizieren.

Sollte das Wetter etwas regnerisch sein so kann man gerne auch eine Pavillon aufstellen und diesen entsprechend schmücken.

Der Platz wird „eingehaselt“ Das bedeutet, er wird mit Stecken von bestimmten Bäumen abgegrenzt.

Auch das hat sein Vorbild bei den Germanen. Thingplätze oder Beratungsplätze, die nicht dauerhaft angelegt waren, wurden auf solche Weise gekennzeichnet. In ihnen ruhte jeder Zwist und der Thingfriede herrschte.Möglicherweise sollte der Platz auch so für die Götter „kenntlich“ gemacht werden.

Ich verwende zum einhaseln verschiedene Baumarten,die alle eine spirituelle Bedeutung haben. Dies kann und sollte man auch mit dem Paar absprechen.

Als Beispiel: Haselnuß , wegen dem Bezug zur Anderwelt, zur Weisheit und zu den Ahnen

Birke , Bezug zum weiblichen Göttlichen.Mutterschaft

Holunder, Bezug zur Göttin Freyja, zu Holle, die Familien ,insbesondere Kinder und Frauen schützt

Eiche, Bezug zu Thor,dem Beschützer der Menschen, als Symbol für Dauerhaftigkeit

Wermut und Beifuß zum Schutz vor bösen Geistern/negativen Energien

Ein Altar wird aufgebaut. Das kann ein Tischchen sein, er kann aus Steinen oder Holz bestehen. Das hat den Hintergrund,dass man während des Rituals alle Gegenstände zur Hand hat. Auch können darauf z.B. die Ringe liegen, bestimmte Symbole für die persönlichen Götter etc. und die zu opfernden Gaben.

Den Weg zum Ritualplatz kann man besonders markieren. So sind Fackeln sehr schön aber es gehen auch Teelichte oder einfach nur Zweige . Das sollte man auch ein Wenig der Umgebung und der Witterung anpassen. Fackeln im Wald bei Warnstufe 4 sind wohl eher nicht zu empfehlen.

Ich gebe dem Brautpaar eine Weile vor der eigentlichen Zeremonie gerne noch die Empfehlung, sich für ein Stündchen zurück zu ziehen.

Schließlich beginnen sie einen neuen, wichtigen Lebensabschnitt. Einkehr, Sammlung, ev auch Gedenken an Ahnen und ein eigenes, persönliches Gespräch mit den Göttern können helfen, sich dieses Schrittes noch einmal vollauf bewusst zu werden.

Ab dann trennen sich Braut und Bräutigam und sehen sich erst am Altar wieder.

Beide werden von Freunden und/oder den Trauzeugen angezogen, geschmückt und dürfen nun ungeduldig der Dinge harren die nun kommen.

 

Ritual

 

Als Leiter des Rituals brauche auch ich ein Wenig Einkehr und Zwiesprache mit den Göttern.

Gerne umschreite ich den eingehhaselten Bereich (mir persönlich kommt es dabei nicht auf die Richtung an) und bitte,still, die Ahnen und Götter ,mir zur Seite zu stehen.

Für mich ist so eine Zeremonie ein besonderer Moment. Ich stelle mich ja sozusagen den Göttern und Ahnen zur Verfügung um durch sie den Bund zu schließen. Da ist es wichtig, die eigene Persönlichkeit auszublenden und ,sozusagen, ganz Gefäß zu sein.

Natürlich kann jeder mit den Göttern kommunizieren,dazu braucht es keinen Mittler.Deshalb ist es auch immer eine hohe Ehre,ein Ritual leiten zu dürfen aber eben auch eine große Aufgabe. Geht es doch hier nur um das Wollen des Paars und deren Götter, nicht um mein persönliches Gusto.

Bin ich bereit ,gebe ich meinem Helfer (das ist nicht degradierend gemeint denn er ist außerordentlich wichtig) ein Zeichen.

Der Beginn der Zeremonie wird durch dreimaliges blasen des Rufhorns eingeleitet.

Die Gäste und Trauzeugen begeben sich zum Platz,ohne das Paar.

Ich begrüße Alle und verkünde den Grund der Zusammenkunft.

So z.Bsp: „Der Stamm der Semnonen feiert heute die Zusammengabe von X und Y.“ Hier können sich noch ein bis zwei Sätze anschließen, in denen uA auch die Zugehörigkeiten zu den Sippen dargelegt werden könnten.

Nun beginnt der eigentliche, spirituelle Teil.

Die Anrufung der Götter und Ahnen. Das könnte so aussehen :

„ Ich rufe die Ahnen des Stammes der Semnonen und bitte sie um ihren Seegen. Ich lade sie ein , mit uns zu feiern.

Ich rufe* Name des Gottes/der Göttin, wie mit dem Paar abgesprochen * und erbitte seinen/ihren Seegen. Ich lade sie/ihn ein heute mit uns zu feiern.“

Man kann auch die Attribute der einzelnen Götter hinzufügen. Z.B.: Thor, den Hammerschwinger oder Freyr ,den fruchtbaren.

Habe ich alle (persönlich /gewünschten) Götter angerufen erfolgt das Speise und Trankopfer für die Ahnen und Gottheiten. Evtl. mit den Worten : Euch zu Ehre ,euch zum Dank, diese Speise,dieser Trank.

Das Opfer wird ausgeschüttet.

Sind keine Trauzeugen erwünscht/vorhanden , bringt der Helfer nacheinander das Paar zum Altar. Erst den Mann , dann die Frau. Der Grund dafür ist, dass jede Frau an ihrem Hochzeitstag die schönste Frau der Welt ist. Deshalb sollte ihr in diesem Moment auch alle , ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen.

Sind Trauzeugen vorhanden kommt nun das Anpreisen der Brautleute. Dies hat wieder einen historischen Bezug. Hier werden noch einmal vor beiden Sippen die Vorzüge,evtl. auch die Absprachen verkündet,die dann in der Zeremonie ja mit beeidet wurden. Ein Resümee, sozusagen , eine Versicherung, dass alles auch so ist ,wie besprochen.

Heute dient es einfach auch der Ehrerbietung an das Paar.

Ich frage den Trauzeugen des Bräutigams: Wer ist der Bräutigam. Dieser antwortet z.Bsp.:

X ist der Bräutigam. Er ist stark, kann seine Familie beschützen. Er ist klug, weiß immer einen rechten Rat.... „

Nun bitte ich ,den Bräutigam zu holen.

Das Selbe nun mit dem Trauzeugen der Braut.

 

Hier möchte ich noch etwas erwähnen. Sitte war es in alten Zeiten, dass der Bräutigam heute sein Sippenschwert erhielt. Es wurde ihm von seiner Mutter bei der Zeremonie überreicht und er gab es dann seiner Braut. Diese hatte für ihren zukünftigen Mann ebenfalls ein Schwert, dass sie ihm während der Zeremonie überreichte.

Sollten die Eltern nicht dabei sein oder nur passiv dabei sein, so kann man verwandte Kinder oder auch Freunde bitten,so dieser Brauch gewünscht ist, die Schwerter den jeweiligem Partner voran zu tragen.

Dieser Schwertertausch machte nochmal die Ernsthaftigkeit deutlich. Man verband sich eben nicht nur als Paar sondern als Sippe. Der Eid auf die Schwerter war auch ein Eid, den man den Sippen gab.

Ich persönlich finde ihn sehr schön und lasse ihn sehr gerne mit einfließen,so auch im Weiteren.

 

Nun steht also das Paar vor dem Altar.

„Ihr Beide, X und Y, habt eure Verbindung geprüft. Ihr habt euch entschlossen, heute, vor den Göttern Ahnen und Menschen euch aneinander zu versprechen, eure Sippen zu einer zu machen.“

(Ohne Schwerttausch kommt nun ein Gelöbnis in der Art: Ich verspreche dir Y, …. desgleichen dann die Braut.)

Der Mann reicht der Frau sein Schwert mit den Worten: „Ich gebe dir dieses Schwert. In ihm lebt die Seele meiner Sippe. Halte und bewahre es gut, meine Braut. In Kampf und Streit,an deiner Seite, so werde ich stets zu dir stehen. Bei diesen Ringen leiste ich den Eid, Liebe und Verehrung für mein Weib.“

Sie nimmt es an und reicht ihm nun mit den Worten das neue Schwert: „ Ich gebe dir dieses Schwert. In ihm lebt von nun an die Seele unserer Familie. Halte und bewahre es gut,mein Bräutigam. In Freude und Leid an deiner Seite ,so werde ich stets zu dir stehen. Bei diesen Ringen leiste ich den Eid, Liebe und Verehrung für meinen Mann.

Er nimmt das neue Schwert an und ich stoße es vor beiden in den Boden. Nun kann der Tausch der Ringe erfolgen . Sollte sich das Paar entschlossen haben, ein eigenes, persönliches Gelübde zu sprechen, kann das an dieser Stelle geschehen. Hiernach werden dann die Ringe getauscht.Um die Bindung zu bekräftigen,auch spirituell, legen Beide die Hände auf den Schwertknauf. Sie werden jetzt, symbolisch , mit einem Band aneinander gebunden. Dieses Band kann ein Geflochtenes sein. Aber auch ein Stoffband, auf dem ihre Namen stehen,in Runen oder lateinischen Buchstaben, wie es beliebt. Der Hintergrund ist, dass eben dies die „Bindung“ nochmal symbolisiert und , im Falle es doch zu einer Trennung kommen sollte, so wird dieses, spirituelle, Band durchtrennt. Auf diese Art kann auch die energetische Bindung (mittels Ritual) aufgelöst werden.

 

Mit den Worten: „ Dieses Band soll euch symbolisch aneinander Binden , so ,wie eure Liebe euch schon aneinander gebunden hat. Im Namen der Götter und Ahnen verkünde ich euch nun zu Mann und Frau. „

Dann nehme ich einen Kieferzweig, tauche ihn in das Opfergetränk und verspritze es mit den Worten: „Seid gesegnet von den Göttern und Ahnen, ihr und all eure Gäste.“

Nun besteht die Möglichkeit, dass die Brautmutter (oder eine andere,verheiratete Person) der Braut ein Schlüsselbund übergibt zum Zeichen ihrer häuslichen Gewalt und als Statussymbol der Ehefrau.

Wie ,oben erwähnt, besaß die Frau im Hause die Gewalt und somit auch alle Schlüssel zu den Truhen und Kammern.

 

Der Braut reiche ich ein Trinkgefäß (Horn oder Kelch, wie gewünscht) sie gibt es ihrem Ehemann sozusagen als erste Handlung als Ehefrau.

In alten Zeiten hatte die Frau die Aufgabe, das Gastrecht zu vollziehen . Ihr oblag die Verteilung der Speisen und Getränke. Der Gast erhielt den ersten Becher. Hiermit zeigte man ihm an, dass er willkommen war und unter dem Schutz des Gastgebers stand.

Aber auch der Mann erhielt den ersten Becher im Alltag. Nicht ,weil alle anderen ihm unterwürfig waren, sondern um ihn zu ehren und seine Stellung als Schutz und Schild der Familie zu bekunden.

Die Frau achtete peinlichst darauf,dies auch einzuhalten.

Der Trunk ,mit dem obligaten „Götterschluck“ wird nun von allen Anwesenden übernommen (sollten es arg viele sein, kann man auch mehrere Gefäße kreisen lassen)

 

Abschluss

 

Abschließend bedanke ich mich bei den Hohen und Ahnen: „Ich danke den Göttern und Ahnen, dass sie bei uns weilten und uns ihren Schutz und Segen spendeten.“

Im stillen füge ich für mich gerne hinzu, dass sie nun wieder ihren „üblichen Geschäften“ nachgehen können. Einfach, weil manchmal doch noch der eine oder Andere da bleibt und vielleicht zu Schabernack aufgelegt sein könnte.

 

Damit ist das eigentliche Zeremonie beendet. Nun folgt die Feier mit all dem was Jeder so gerne für sich mag.

 

Die Schwerter und das Band sollten gut aufbewahrt werden. In ihnen steckt ein Teil des Geistes, der Kraft, die durch dieses Ritual angerufen wurde.

Natürlich ist diese Art der Eheschließung nicht rechtskräftig, hat vor dem Gesetz keine bindende Bedeutung. Für den einen oder Anderen stellt sie aber weitaus mehr dar,als die bloße Unterschrift im Standesamt. Sie ist die seelische und vielleicht auch spirituelle Bindung an einen Partner mit dem man ,auch in Widrigkeiten, sein Leben teilen möchte. Sie vereint die Sippen, schließt auch die Ahnen mit ein und trägt ein Wenig dazu bei, sich in seinem ,heidnisch genannten, Glauben zu Hause zu fühlen.

 

Werdandi (Conny Döring)

 

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